Krisencheckliste

(für Haushalte in Mitteleuropa, Fokus: Strom-, Versorgungs- und Sicherheitsausfälle bis 21 Tage)


Was, wenn morgen das Licht ausgeht?

Stell dir einen stillen Abend vor: Plötzlich klickt alles ab – Strom weg, Handynetz tot, Supermarktregale binnen Stunden leer. Dein Herz rast, das Kopfkino springt an: Was, wenn das jetzt länger dauert? Genau hier setzt diese Checkliste an. Sie nimmt deine größten Sorgen – kein Wasser, Hunger, Kälte, Einsamkeit, Gefahr – auseinander, erklärt warum sie entstehen und zeigt wie du sie Stück für Stück ausschaltest. Das Ziel: Handlung statt Hilflosigkeit. Jede Aufgabe ist so gestaltet, dass du sie sofort umsetzen kannst, egal ob du in einer Stadtwohnung oder auf dem Land lebst.

Die Krisencheckliste ist auch als Download erhältlich!

1) Basis, die immer trägt (für 10–21 Tage)

1.1 Wasser & Getränke

Ziel: Dehydrierung verhindern, Kochen/Hygiene ermöglichen.
Was gilt: Rechne mit mind. 2 l Trinkwasser pro Person und Tag. Zusätzlich 0,5–1 l/Tag für Kochen/Minimalhygiene. Plane 10 Tage Minimum, besser 14–21 Tage. Lagere kühl, dunkel, in handhabbaren Gebinden (1–5 l). Prüfe Halbjahres-weise und rotiere. Aufbereitung: Bei Zweifel abkochen (sprudelnd), alternativ Desinfektionstabletten nach Herstellerangabe.

Praxis-Check:
□ Haushaltsbedarf berechnet und auf Kanister/Flaschen verteilt
□ Abkochhinweis sichtbar notiert (z. B. auf der Dokumentenmappe)
□ Reserve für Haustiere mitgeplant


1.2 Lebensmittel & Zubereitung (ohne Netz)

Ziel: Ausreichende Energie, einfache Zubereitung, gute Moral.
Was gilt: Plane grob ≈ 2.200 kcal/Person/Tag; nutze haltbare, kalt essbare oder kurz garende Lebensmittel (Konserven, Hafer, Couscous, Instant-Kartoffeln, Bohnen/Linsen, Nüsse, Öl, Obst-/Gemüse-Dosen). Halte Gewürze, Brühe, Tee/Kaffee vor – sie heben die Stimmung. Rotation (FIFO): Älteres zuerst essen, neu einkaufen. Kochen nur im Freien (Gaskocher/Spiritus), niemals in Innenräumen (CO-Gefahr).

Praxis-Check:
□ 10-Tage-Mengen nach Tabelle geplant und beschriftet
□ Dosenöffner, Besteck, Schneidbrett, Outdoor-Kocher vorhanden
□ Menü-Skizze für 3–5 „Ein-Topf“-Gerichte


1.3 Energie & Licht

Ziel: Kommunikation, Orientierung, Basiskomfort aufrechterhalten.
Was gilt: LED-Stirnlampe pro Person (freie Hände), Taschenlampe als Backup, Ersatz-AA/AAA bzw. Ladegerät + Akkus. Powerbank ≥ 20.000 mAh (Handys), bei längeren Lagen Powerstation + faltbares Solarmodul. Achtung: Standard-Balkonkraftwerke liefern bei Netzausfall keinen Strom (Anti-Inselbetrieb). Verbrennung/Generatoren nie in Innenräumen – CO-Melder (EN 50291) installieren.

Praxis-Check:
□ Alle Lampen getestet, Batterien datiert
□ Ladeplan: Wer lädt wann welches Gerät?
□ CO-Melder montiert und getestet


1.4 Information & Kommunikation

Ziel: Falsche Gerüchte vermeiden, Hilfe koordinieren.
Was gilt: Warn-Apps (z. B. NINA, DWD WarnWetter) aktivieren; Batterie-/Kurbelradio bereithalten. Familien-Kommunikationsplan (1 Seite): Notfallkontakte, Treffpunkte A/B, „Stundenslots“ bei Netzüberlastung, SMS-Kurztext. PMR446-Funkgeräte als lizenzfreier Backup-Kanal (legal in DE; zugelassene Geräte/CE).

Praxis-Check:
□ Plan ausgedruckt in Küche & Go-Bag
□ Funkgeräte geladen, Kanal festgelegt
□ Lokalradio-Frequenz notiert


1.5 Erste Hilfe, Hygiene & Medikamente

Ziel: Typische Verletzungen/Krankheiten zuhause abfangen.
Was gilt: Erste-Hilfe-Set (DIN) plus persönliche Medikation (Puffer in Rücksprache mit Praxis), Fieberthermometer, Elektrolyt-Pulver, Verbandmaterial, Desinfektion gezielt (erst reinigen, dann – wenn nötig – desinfizieren). Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig auffrischen (Empfehlung: etwa alle 2 Jahre).

Praxis-Check:
□ Hausapotheke ergänzt (Wundversorgung/Schmerz/Fieber/Magen-Darm)
□ Medikationsplan kopiert, Ablaufdaten markiert
□ EH-Kurs/Refresher terminiert


1.6 Haus & Sicherheit

Ziel: Einbruch, Brand, Unfälle vermeiden.
Was gilt: Erst Mechanik, dann Elektronik: einbruchhemmende Türen/Fenster (RC-Klasse, Pilzkopfzapfen), geprüfte Nachrüstungen, Außenlicht/Bewegungsmelder. Rauchmelder regelmäßig testen; Feuerlöscher/Branddecke bereit. Individuelle Polizei-Beratung nutzen (K-EINBRUCH).

Praxis-Check:
□ Schwachstellen begutachtet, Prioritätenliste erstellt
□ Melder getestet, Batterie-/Wartungstermine notiert
□ Nachbarschafts-Rufkette vereinbart


1.7 Dokumente, Finanzen & Daten

Ziel: Handlungsfähig bleiben, auch ohne Netz.
Was gilt: Notfallmappe (wasserdicht/feuerhemmend): Ausweise-Kopien, Versicherungen, IBAN-Liste, Vollmachten, Impfstatus, Medikationsplan. Bargeld (kleine Scheine). Backups doppelt (Cloud + verschlüsselter USB-Stick).

Praxis-Check:
□ Mappe an festen Ort (nahe Ausgang)
□ Passwort-Hinweise offline (z. B. Passwortkarte)
□ Kopien auch im Go-Bag


1.8 Mobilität & Fahrzeug

Ziel: Kurzfristig beweglich bleiben.
Was gilt: Tank halbvoll als Grundregel. Pflichtausrüstung prüfen (Warndreieck, Westen, Verbandkasten), dazu Decke, Wasser, Snacks, Starthilfe/12 V-Kompressor. Alternativrouten ohne Brücken/Tunnel planen; Papierkarte ins Auto.

Praxis-Check:
□ Fahrzeugkit gepackt
□ Alternative Route markiert
□ Betankungs-Reminder gesetzt


2) Szenario-Module (was jetzt wichtig ist)

2.1 Stromausfall / Blackout

  • Sicherheit: Offene Flammen/Elektroherd aus, Rauch-/CO-Melder checken.
  • Energie: Powerbank/Powerstation nutzen, Verbrauch bündeln (ein Zimmer), Geräte in Sparmodus.
  • Info: Radio, Warn-Apps, Nachbarschaft austauschen.
  • Kochen: Nur draußen. Balkonkraftwerk liefert i. d. R. keinen Strom im Ausfall (kein Inselbetrieb).

2.2 Unwetter / Hochwasser / Sturm

  • Außen sichern (Möbel/Material), Fahrzeuge weg von Bäumen.
  • Dokumente/Technik hoch lagern, Rückstau beachten, Keller bei ansteigendem Wasser nicht betreten.
  • Behördliche Evakuierungsanweisungen befolgen.

2.3 Hitze / Hitzewelle

  • Tagsüber abdunkeln, nachts querlüften, viel trinken, auf Risikogruppen achten (Kinder/Alte/Kranke).
  • DWD-Hitzewarnungen beachten (Stufe „starke“ und „extreme Wärmebelastung“).

2.4 Kälte / Winterfrost

  • Warmes Zimmer definieren (Zugluft stoppen, Teppich/Decken), Schichtkleidung (Kopf/Hände/Füße).
  • Leitungen vor Frost schützen; Kerzen nur beaufsichtigt, besser LED.

2.5 Lieferketten / Versorgungsengpässe

  • Vorräte rotieren, Medikamente rechtzeitig nachfassen, Bargeld halten.
  • Mobilität reduzieren, regionale Versorger/Netzwerke nutzen.

2.6 Digitale Störungen / Cyberangriff

  • Papierlisten & Offline-Backups, Barzahlungsfähigkeit; PMR446-Funk als Notkanal.
  • IT-Notfallkarte (Verhalten bei IT-Notfällen) für Betriebe/Organisationen erwägen.

2.7 Chemieunfall / Umweltgifte

  • Innen bleiben, Fenster/Türen dicht, Lüftung/Klima aus.
  • Offizielle Warnungen abwarten, Evakuierung geordnet folgen.

2.8 GPS-/Satellitenausfall

  • Papierkarten/Kompass nutzen, Treffpunkte vorher festlegen, Funkzeiten einhalten.

3) Evakuieren – wenn bleiben keine Option ist

3.1 72-Stunden-Go-Bag (Zielgewicht ≤ 10–12 kg pro Person)

Wasser (min. 1–2 l griffbereit) • kompakte Notration • Stirnlampe + Batterien • Powerbank + Kabel • Erste Hilfe + persönliche Medikation • Kopien der Dokumente + Bargeld • Wetterschutz (Poncho/Handschuhe/Mütze) • Wechselwäsche/Schichtsystem • Rettungsdecke • Pfeife • Papierkarte/Kompass • PMR-Funkgerät • kleines Multitool/Tape/Paracord.

3.2 Ablauf

Behördliche Warnung prüfen → Go-Bag + Dokumentenmappe greifen → kurze SMS/Funk an Familie („Wir gehen zu Treffpunkt A, ETA …“) → Haus sichern (Herd/Ofen aus, Wasser/Heizung nach Lage, Hinweiszettel) → Route ohne Brücken/Unterführungen → am Sammelpunkt einchecken.


4) Üben, warten, verbessern – damit im Ernstfall nichts klemmt

  • Monatlich (15 Min): Lampen & Powerbanks testen, Funkprobe, Warn-Apps prüfen.
  • Quartalsweise: Vorräte rotieren, Erste-Hilfe-Set ergänzen, Go-Bag wiegen/anpassen, 30-Min-„Planspiel“ (z. B. „24 h ohne Strom“).
  • Alle 6–12 Monate: Rauch-/CO-Melder testen/entstauben; Dokumentenmappe aktualisieren; EH-Kenntnisse auffrischen (DRK empfiehlt ca. alle 2 Jahre).

5) Verhalten im Ernstfall – Merksatz SICHER

S toppen (Gefahr zuerst ausschalten – Feuer/CO/Elektrik).
I nformieren (112/110 bei Gefahr; Warn-Apps/Radio).
C ommunizieren (kurz, klar: Wer? Wo? Was? Wie viele?).
H elfen ohne Heldentaten (eigene Sicherheit vor Fremdschutz).
E vakuieren nach Anordnung (Go-Bag, Route, Sammelpunkt).
R egenerieren (trinken, atmen, kurze Pausen, Gerüchte meiden).


6) Recht & Sicherheit – die nicht verhandelbaren Regeln

  • CO-Gefahr: Niemals Grill, Kocher, Heizer, Generator in Innenräumen betreiben. CO ist unsichtbar/geruchlos und kann binnen Minuten tödlich sein. CO-Melder (EN 50291) einsetzen.
  • Funk: PMR446 ist in Deutschland lizenzfrei (Allgemeinzuteilung BNetzA). Nutze zugelassene Geräte (CE), keine Leistungs-Mods.
  • Hitze: Beachte DWD-Hitzewarnungen (zwei Stufen; starke vs. extreme Wärmebelastung).
  • Vorrat: Offiziell empfohlen sind mind. 10 Tage mit 2 l Getränke/Person/Tag – Details in der BBK-Broschüre und der Vorratstabelle (≈ 2.200 kcal/Tag).
  • Balkonkraftwerk: Standard-Steckersolar liefert bei Netzausfall keinen Strom (kein Inselbetrieb). Für Not-/Ersatzstrom sind spezielle, netztrennende Lösungen nötig.

Schlusswort

Eine Krisenvorsorge-Checkliste darf keine verstaubte Ordner-Leiche sein. Sie ist ein lebendiges Werkzeug: Jede Drehung am Gashahn, jeder Tropfen Wasser, jede Seite, die du abspeicherst, verleiht dir ein Stück Selbstbestimmung zurück. Angst wird kleiner, je größer dein Handlungsrepertoire ist. Fang heute an – und genieße morgen die Gelassenheit, vorbereitet zu sein.

Quellen / Belege


Rechtlicher Hinweis: Diese Checkliste ersetzt keine behördlichen Anweisungen und keine medizinische oder rechtliche Beratung. Im Ereignisfall haben offizielle Stellen (Kommune, Länder, Bund) und ihre Warnungen/Anordnungen immer Vorrang.